Interview mit Michael und Christian Eberharter

Michael und Christian Eberharter – zwei Tuxer an der Spitze des internationalen Volkslanglaufs

 

Der Name Eberharter war viele Jahre ein Begriff für Erfolge im alpinen Skirennlauf.  Dass ausgerechnet die beiden Cousins von Olympiasieger und Weltmeister Stefan Eberharter seit Jahren im FIS Marathoncup der Langläufer sowie bei den großen Volkslangläufen der Welt im Spitzenfeld zu finden sind, mag viele doch etwas überraschen. Ein Interview mit zwei Ausnahme-Athleten.

 

Michael und Christian Eberharter beim 3-Täler-Lauf 2011 am Achensee                                                                         Foto: Eberharter privat

 

 

Michael Eberharter, 28, von Beruf Soldat im HLSZ Hochfilzen und derzeit in der Ausbildung zum Unteroffizier, hat seine sportliche Karriere als Biathlet begonnen, wo er ein Junioren-Europacuprennen gewinnen konnte. Im Jahre 2003 wechselte er ins Lager der Langläufer und war bei insgesamt 8 Weltcuprennen im Einsatz, u.a. bei der Tour-de-Ski 2007, die er damals gemeinsam mit Olympiasieger Christian Hoffmann bis zum Ende durchlaufen konnte. Es folgten einige erfolgreiche Rennen im Continental-Cup, bevor sich Michael auf die Langdistanz-Langlaufrennen spezialisierte.

 

 

 

 

 

 

 

Christian Eberharter, 33, von Beruf Radio- und Fernsehtechniker, gilt als der klassische „Amateursportler“, der sich neben seinem Beruf auf die großen Langlauf-Marathons vorbereitet. Erst im Alter von 20 Jahren hat er die Liebe zum Langlaufsport entdeckt und ist damals als Betreuer seines Bruders eher zufällig und zum Spaß bei den ersten Volkslangläufen angetreten. Sehr bald konnte er aber mit der Elite mithalten und ist seit einigen Jahren immer im Spitzenfeld zu finden.

Frage: Wenn man an Volkslanglauf denkt, so kommen einem Begriffe wie Vasalauf, Engadin-Skimarathon oder Koasalauf in den Sinn, bei dem oft bis zu 16.000 Langläufer am Start sind. Was ist eigentlich der große Unterschied zwischen dem Langlauf-Weltcup und dem FIS-Marathoncup sowie den traditionellen Volkslanglaufrennen?

Michael: Im Weltcup werden derzeit vorwiegend Distanzen vom Sprint bis maximal 30 Kilometer gelaufen. Die Ausnahme bildet der traditionelle 50km Weltcup in Oslo, der jährlich abwechselnd einmal in der klassischen und einmal in der freien Technik (Skating) gelaufen wird sowie die 50-Kilometer-Rennen bei Olympia und Weltmeisterschaften. Das sind die einzigen Langdistanzrennen im Weltcup. Beim FIS-Marathoncup werden bei den 11 größten Langlaufveranstaltungen der Welt (Worldloppet) Distanzen von mindestens 42 km bis zu 90 km absolviert, bei denen jeder mitlaufen kann, vom Hobbysportler bis zu den Elite-Marathonläufern und teilweise auch Weltcupläufern.

Christian: Die Strecken bei den Weltcuprennen sind bedingt durch die ausschließliche Teilnahme von Profis wesentlich schwerer und weisen oft sehr lange Anstiege auf. Beim 50km Weltcupbewerb  in Oslo weist das Höhenprofil der Strecke beispielsweise einen Anstieg von insgesamt 2.000 Metern auf. Bei den Volkslangläufen mit den vielen Hobbysportlern am Start wären solche extremen Streckenprofile natürlich nicht zielführend, denn Distanzen von 42 Kilometern und mehr sind an sich schon eine sehr große Herausforderung für jeden Sportler.

 

Frage: Die großen Marathon-Veranstaltungen, egal ob im Laufen, Radfahren aber auch im Skilanglauf erfreuen sich unglaublicher Beliebtheit. Die Teilnehmerzahlen müssen von den Veranstaltern limitiert werden und die Rennen sind oft Monate zuvor ausgebucht. Welches Gefühl ist es, an der Spitze von so großen Menschenmassen zu laufen und sogar als Sieger ins Ziel zu kommen?

Christian: Wenn wir ein Skating-Rennen über 42 km laufen, dann ist unser Rennen in der Regel in etwas mehr als 1,5 Stunden vorbei. Ich habe einen unglaublichen Respekt vor den Leistungen der vielen Hobbysportler, die oft 4, 5 oder mehr Stunden mit vollem Einsatz unterwegs sind. Es wäre für mich selbst unvorstellbar, so lange auf Langlaufskiern zu laufen.

Michael: Während des Rennens denke ich natürlich nicht an die Menschenmassen, die hinter mir laufen, da konzentriere ich mich nur auf meine eigene Leistung und versuche, eine gute Platzierung zu erreichen. Wenn ich dann nach dem Rennen die riesigen Massen an Langläufern ins Ziel kommen sehe, freue ich mich sehr, wie viele Leute die Leidenschaft des Skilanglaufsports mit mir teilen.

Frage: Ihr beide gilt als absolute Spezialisten in der Skating-Technik über lange Distanzen. In der vergangenen Saison seid ihr auch viele Rennen in der klassischen Technik gelaufen. Was war der Grund und wie ist es euch bei diesen Rennen ergangen?

 

Michael: Aufgrund des Wechsels zum Skinfit-Racingteam, dem ersten privat finanzierten Langlaufteam Österreichs, haben wir das Hauptaugenmerk auf die Gesamtwertung des FIS-Marathoncups gelegt, bei dem von den 11 Rennen 7 in der klassischen Technik gelaufen werden. Das erste Rennen in Liberec (CZE) war sehr schwierig für mich, und ich habe viel Erfahrung gesammelt. Beim zweiten Rennen, dem König-Ludwig-Lauf in Oberammergau, ist es mir dann sehr gut ergangen und ich konnte wertvolle Punkte für die Gesamtwertung holen.

Christian: Da ich in den vergangenen Jahren das Hauptaugenmerkt fast nur auf die Skating-Technik gelegt hatte, habe ich bei den FIS-Rennen in der klassischen Technik erst einmal sehr viel Erfahrung gesammelt. Gerade in dieser Technik hat sich in den letzten Jahren sehr viel verändert und die traditionellen nordischen Nationen wie Norweger oder Schweden laufen hier auf einem sehr hohen Level. Es wird hier über die gesamte Strecke fast ausschließlich in der Doppelstocktechnik gelaufen und der klassische Diagonalschritt findet bei der Elite kaum noch Einsatz. Hier muss ich mich noch verbessern, bin aber trotzdem mit meinen Ergebnissen in dieser Technik zufrieden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Frage: Wie ist es euch insgesamt in der vergangenen Saison ergangen?

Michael: Beim Rennen der La Sgambeda/Livigno ITA sowie dem Dolomitenlauf in Obertilliach konnte ich zwei Top 10 Ergebnisse im FIS Marathoncup erzielen. Bei meinem „Lieblings-FIS-Marathon“, dem Engadin Skimarathon in der Schweiz mit über 12.000 Teilnehmern, wurde ich 15. und damit bester Österreicher. Wenn man bedenkt, dass unter den ersten 15 insgesamt 7 aktive Weltcupläufer waren, so war ich mit meiner Leistung sehr zufrieden. Mein dritter Sieg beim heimischen Koasalauf im Februar hat mich natürlich sehr gefreut!

Christian: Mein bestes Rennen war ebenfalls der La Sgambeda in Italien, wo ich als 23. mit nur 15 Sekunden Rückstand auf den Sieger ins Ziel kam und wertvolle FIS-Punkte sammeln konnte. Beim Int. Ganghoferlauf in Leutasch wurde ich im Zielsprint nur knapp geschlagen und landete auf dem erfreulichen dritten Rang. Beim Dolomitenlauf wurde ich 26.

Zieleinlauf beim Koasalauf 2011 über 50km Skating: Sieger – Michael Eberharter                                                             Foto: Koasalauf-OK

Frage: Wie viele Rennen seid ihr in der vergangenen Saison gelaufen?

Christian: Insgesamt waren es 10 Rennen in den Ländern Ö, D, ITA, FRA, CH und CZE und 364 Rennkilometer

Michael: Insgesamt bin ich 12 Rennen gelaufen, in Summe waren es 375 Rennkilometer

Frage: Wie ist es euch trotz des recht schneearmen Winters gelungen, euch optimal auf diese vielen Rennen vorzubereiten?

 

Michael: Durch das Skinfit-Racingteam haben wir bereits Anfang November zwei Wochen in Norwegen auf Schnee trainieren können. Dort haben wir optimale Bedingungen vorgefunden und wir konnten auch das neue Skimaterial ausgiebig testen. Dies war besonders wichtig, da wir beide dieses Jahr zu Fischer Ski gewechselt sind. Nach unserer Rückkehr haben wir sprichwörtlich nach Schnee und Trainingsmöglichkeiten gesucht. Ab Ende November habe ich aber in Hochfilzen und in Tux optimale Trainingsbedingungen vorgefunden.

Christian: Die Vorbereitung für den Winter beginnt in der Regel bereits Anfang Mai mit viel Radfahren und Laufen. Ab August/September trainier wir sehr viel auf den Skirollern. Das Training auf Schnee Anfang November in Norwegen war aber sehr wichtig für uns, denn so konnten wir bereits bei den ersten Rennen Anfang Dezember mitmachen. Ab Ende November war in meiner Heimatgemeinde Tux die Loipe in Betrieb und bedingt durch die Höhenlage des Tuxertals konnte ich dort bis Mitte März bei besten Bedingungen trainieren.

Frage: Wie seht ihr die Entwicklung des Langlaufsports in Österreich? Wo stehen wir im Weltcup und wie sieht es mit der Nachwuchsarbeit im Langlauf aus?

Michael: Im Weltcup sind vor allem über die Sprintdistanz 1-2 Leute schon ganz vorne mit dabei und haben bereits mit sehr guten Leistungen aufgezeigt. Bei den Distanzrennen fehlt derzeit noch etwas das „Zugpferd“ ähnlich einem Christian Hoffmann, wo man sich bereits im Training an der Weltspitze orientieren kann. Wenn man aber einigen vielversprechenden Nachwuchstalenten das notwendige Vertrauen schenkt und mit ihnen professionell arbeitet, können in einigen Jahren mehrere Österreicher wieder ganz vorne im Weltcup zu finden sein.

Christian: Der Langlaufsport erlebt seit einigen Jahren einen unglaublichen „Boom“ und langsam kommt diese Begeisterung auch zu uns, in das an sich vom alpinen Skilauf dominierte Österreich. Wenn man bedenkt, dass unser Ski-Sponsor Fischer derzeit fast 1 Mio. Langlaufskier pro Jahr absetzt, so zeigen diese Zahlen schon, welche Zuwachsraten der Langlaufsport erlebt. Beim Nachwuchs wird in vielen Tiroler Skivereinen eine sehr gute Arbeit geleistet, aber es ist heutzutage nicht einfach, Kinder und Jugendliche für einen „harten“ Ausdauersport wie Langlaufen, bei der über das ganze Jahr über trainiert werden soll, zu begeistern. Wir in Tux versuchen derzeit in einem gemeinsamen Projekt von Wintersportverein und Schule die Kinder spielerisch an das Thema Langlaufen heranzuführen. Dazu gehört natürlich auch Biathlon, das bei den Kindern großen Anklang findet. Es geht nicht immer nur darum, die Kinder ausschließlich zum Rennsport zu bringen, man sollte vielmehr versuchen, den Kindern über den Sport in der freien Natur eine sinnvolle Alternative zu Internet und TV zu ermöglichen. Wenn man diese Kinder dann auch noch in späteren Jahren auf der Langlaufloipe antrifft, dann erfüllt mich das mit großer Freude.

Das Interview führte A. Bidner

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